Die Dunkelheit der Entfremdung
- Marion Krause

- 7. Feb. 2024
- 3 Min. Lesezeit
Immer mehr junge Menschen sprechen über ihre Erfahrungen zum Thema Eltern-Kind-Entfremdung und ein Fallbeispiel eines jungen Mannes aus meiner Praxis

Immer mehr junge Menschen sprechen heute über ihre Erfahrungen mit Eltern‑Kind‑Entfremdung (EKE). Eine junge Frau, deren Geschichte ich in den sozialen Medien entdeckte, berührte mich besonders: Sie schrieb offen über ihre jahrelange Entfremdung von ihrer Mutter – kraftvoll, klar, mutig.
Seit vielen Jahren befasse ich mich als betroffene Mutter mit Eltern-Kind-Entfremdung (EKE).
Noch immer begegnen mir Menschen, die nicht wissen, was hinter diesem Begriff steckt. Als mein eigener Fall vor über 20 Jahren begann, gab es kaum Stellen, die wirklich Bescheid wussten. Ich hörte Sätze wie: „Warte, bis dein Kind erwachsen ist, dann kommt es zurück.“ Oder: „Das kann doch nicht sein – ein Kind gehört doch zur Mutter.“
Die Realität zeigt etwas anderes. Jedes Jahr erleben Tausende Kinder und Elternteile diese Form der Entfremdung – oft ohne Unterstützung, ohne Verständnis, ohne Sprache für das, was geschieht.
Das Schweigen der Kinder bricht auf
Lange hörte man vor allem die Stimmen der betroffenen Eltern. Die Kinder selbst – inzwischen oft junge Erwachsene – blieben still. Angst, Scham, Loyalitätskonflikte und die traumatische Erfahrung selbst hielten sie zurück.
Doch langsam verändert sich etwas.
Ein leises Erwachen. Eine neue Klarheit. Sie beginnen zu sprechen. Sie befreien sich aus Lügen, Manipulation und innerer Dunkelheit. Sie holen sich ihre Identität zurück.
Ihre Botschaft ist eindeutig: „Ich will mein Leben zurück.“

Reaktive Entfremdung und induzierte Entfremdung
Es gibt berechtigte Gründe für einen Kontaktabbruch – etwa bei Gewalt oder Missbrauch. Das nennt man reaktive Entfremdung.
Von induzierter Entfremdung spricht man, wenn ein Elternteil das Kind bewusst oder unbewusst gegen den anderen beeinflusst. Diese Form ist besonders zerstörerisch, weil sie das Denken, Fühlen und die Wahrnehmung des Kindes tief verändert.
Die Stimmen der betroffenen jungen Erwachsenen
Aussagen dieser jungen Erwachsenen, die induzierte Eltern‑Kind‑Entfremdung erlebt haben, zeigen die Tiefe des inneren Konflikts:
Ich dachte immer, es gibt einen guten und einen schlechten Elternteil.
Eine Zeit lang wusste ich nicht, was real und was echt war.
Meine Gedanken und Gefühle wurden zerstört.
Alles, was ich wollte, war, dass ich gut genug für Mama oder Papa bin.
Damals habe ich nicht realisiert, dass es nicht mein freier Wille war, dass ich Papa/Mama nicht mehr sehen wollte.
Diese Aussagen sind nicht selten – sie sind typisch für Kinder, die über Jahre in einen Loyalitätskonflikt geraten und deren innere Welt manipuliert wurde.
Erfahrungsbericht aus meiner Praxis

Klaus, 33, kam wegen eines chronischen Hautausschlags und Erschöpfung zu mir. Er ist verheiratet, Vater eines kleinen Sohnes und beruflich zufrieden.
Als wir über seine Kindheit sprachen, erzählte er, dass seine Eltern sich trennten, als er sieben war. Seitdem lebte er bei seiner Mutter und durfte seinen Vater nicht mehr sehen. Er fügte sich – aus Angst, seiner Mutter Kummer zu bereiten. Vermisst hat er ihn dennoch.
Wir arbeiteten an seinem Trauma, seinen Themen und seiner Lebensenergie. Nach etwa einem Jahr war seine Haut wieder gesund, seine Kraft zurück – und so ganz nebenbei erwähnte er, endlich Kontakt zu seinem Vater aufgenommen zu haben. Das Treffen war warm, ehrlich und heilsam. Beide beschlossen, sich neu kennenzulernen.
Solche Fälle sind keine Ausnahme. Auch Großeltern kommen zu mir, die den Kontakt zu ihren Enkelkindern verloren haben – oft aufgrund der eigenen unverarbeiteten Wunden ihrer Kinder. Wenn diese Wunden heilen, öffnen sich Türen, die lange verschlossen waren.
Fazit: In jeder Wunde liegt ein WUNDER
Jede Familiengeschichte trägt eine Wunde in sich – oft über Generationen weitergegeben. Unverarbeitete Schmerzen formen Denk‑, Fühl‑ und Glaubensmuster, die unser Leben prägen, ohne dass wir es merken.
Das Leben strebt stets nach Ausgleich. Wenn wir unsere Wunden ignorieren, zeigt es uns Wege, die uns zum Hinschauen zwingen: Krankheit, Überforderung, Beziehungskrisen, innere Leere.
Heilung beginnt dort, wo wir den Mut finden, uns diesen Wunden zuzuwenden. So wie Klaus, der sich seinen Ängsten stellte und dadurch nicht nur körperlich gesund wurde, sondern auch seine Familie neu verbinden konnte.
Ist es nicht besser, aus einer Wunde ein WUNDER zu kreieren?
Gerne kannst du mich kontaktieren, wenn du Fragen hast.
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